IMPFEN IN APOTHEKEN

Die Österreichische Apothekerkammer erhöht aktuell den Druck auf die Politik, um in den Apotheken künftig auch Impfungen anbieten zu können. Bisher hat sich die Österreichische Ärztekammer mit ihren Gegenargumenten bei der Bundesregierung noch durchsetzen können, doch wie es aussieht, wird das nicht mehr lange gelingen. Zumal derzeit auch kaum absehbar ist, wie sich die Regierung nach der Nationalratswahl zusammensetzt. Die in der Öffentlichkeit diskutierten Argumente sprechen derzeit jedenfalls für Impfungen in Apotheken und weil auch die Politik immer populistischer wird, dürfte die Forderung der Apothekerkammer wohl bald Gehör finden. Wie also darauf reagieren?

Klar ist für uns jedenfalls eines: Eine Impfung ist weit mehr als nur ein kleiner Nadelstich, dafür braucht es einen medizinischen Hintergrund, es können nach der Impfung Reaktionen auftreten, die mitunter auch ein rasches medizinisches Handeln notwendig machen. Die fachliche Qualifikation muss also vorhanden sein. Auch die Qualität und Beschaffenheit der räumlichen Strukturen, in denen geimpft wird. Und nicht zuletzt muss die Haftung geklärt sein. All das ist zusammengefasst in einem Goldstandard, den bieten derzeit niedergelassene Ärztinnen und Ärzte an. Nicht weniger und ohne Kompromiss müssten genau das auch Apotheken anbieten können, ansonsten würde man mit der Sicherheit der Patienten:innen spielen.

Zugegeben: In den meisten anderen europäischen Ländern wird bereits erfolgreich in Apotheken geimpft. Und ja, angesichts der strukturbedingten Personalnöte bei Kassenarztstellen ist es den Menschen nur schwer zu erklären, warum sie wochenlang auf einen Impftermin warten müssen, wenn es in der nächsten Apotheke viel schneller ginge. Argumente, gegen die man nur schwer ankommt. Hinzu kommt, dass die Durchimpfungsraten in Österreich bei Influenza, Keuchhusten, Masen und anderem zu wünschen übrig lassen. In Ländern, in denen auch in Apotheken geimpft wird, sind die Quoten oft deutlich besser. Auch das kann man nicht vom Tisch wischen.

Die einzelnen Argumente kann man aber nicht isoliert voneinander diskutieren, sondern muss sie in einem Gesamtsystem betrachten. Es geht um einen niederschwelligen Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle. Dazu gehören nicht nur Impfungen, sondern auch andere Arzneimittel. Wenn Impfungen im Sinne dieses raschen und niederschwelligen Zugangs künftig von Ärzteschaft und Apothekerschaft angeboten werden sollen, muss dieser Zugang auch für andere Medikamente geöffnet werden. Den Arztpraxen muss daher nicht nur die Lagerung  und Abgabe von Impfstoffen erlaubt werden, sondern auch von anderen Arzneien. Den Zugang einseitig nur für Pharmazeut:innen zu öffnen und der Ärzteschaft weiterhin eine Hausapotheke zu verwehren ist dann nicht mehr zu argumentieren. Zumindest nicht mehr im Sinne der Patientenversorgung, sondern nur noch im Sinne einer Neid- und Umsatzdebatte.

Die Richtung ist demnach klar: Wenn die Politik für eine rasche und niederschwellige Versorgung der Bevölkerung das Impfen in Apotheken erlaubt, muss sie den Arztpraxen auch die Führung von Hausapotheken erlauben. Zudem müssen alle im österreichischen Impfplan empfohlenen Impfungen für die Bevölkerung kostenlos werden – unabhängig von Alter und Geschlecht der Menschen. Es ist nicht einzusehen, dass das Gesundheitsministerium beispielsweise viel Geld für Werbung ausgibt, damit sich Menschen ab 50 gegen Herpes zoster impfen lassen - wer sich dann für die Gürtelrose-Impfung entscheidet, muss für die beiden Stiche aber an die 500 Euro zahlen. Viele Alleinverdienerinnen oder Bezieher von Mindestpensionen werden eine solche ministerielle Werbung zurecht als zynisch betrachten. Wenn schon niederschwellig, dann auf allen Ebenen. Mit finanziellen Hürden, Einseitigkeiten und Rosinenpickerei kommen wir da nicht weiter.